Leseprobe

Aus dem Kapitel: Wie alles begann

[...] Als alles „Freiheit und Gleichheit“ schrie, gab es wie immer und überall, Arme, Reiche, Ungebildete, Studierte, Sanfte und Machthungrige. Die Klassengesellschaft abzuschaffen galt als schick, aber die Männerlogik vergaß, dass Klassen existieren.
Wie auch immer wir Stand, Rang, soziale Gruppe oder Gesellschaftsschicht bezeichnen. Und sie übersah, dass die besser Gestellten überhaupt nicht geneigt waren, sich herabstufen zu lassen. Wie so oft, wenn Männern ein Fehler unterläuft, mussten die Frauen herhalten. Über sie konnte ein Mann seinen Status definieren. War er reich und mächtig, lief seine Frau nicht in Bäuerinnenkleidung herum, sondern sie zeigte, was er hatte.

Nicht, dass die Frauen der Revolution dies freiwillig getan hätten. Die modebewusste Pariserin trug damals die so genannten „Amazonen-Habite“: lederne Beinkleider und Stiefel. 1786 hieß es in der Pariser Modezeitschrift „Cabinet des Modes“: „Der jetzige Mode-Ton unserer Damen, die Männer in Tracht, Manieren und Beschäftigungen soviel als möglich nachzuahmen, ist auffallend. Sonst schien das schöne Geschlecht uns die ernsteren Wissenschaften und Künste ganz zu überlassen. Jetzt treiben sie Chemie, Physick und Botanik.“

Aufklärer wie Jean Jacques Rousseau schoben dem einen Riegel vor. Rousseau erfand mit seiner Philosophie von den Naturrechten den Biologismus, und lieferte damit den ideologischen Überbau für das, was mann die „Natur der Frau“ nannte. Unter anderem bescherte uns diese auch das Korsett. Im Oktober 1793 verbot der Konvent die „Frauenclubs“, die sich aus der Freiheit-Gleichheit-Bewegung gebildet hatten, als „Brutstätten der Emanzipation“. Frauen durften nicht mehr öffentlich Reden halten und sich nicht mehr in Grüppchen auf der Straße zeigen, solche „Zusammenrottungen“ wurden mit Gefängnisstrafen geahndet. Es waren die gleichen Frauen, die noch vier Jahre zuvor - den Männern voran - die Bastille gestürmt und damit die Monarchie gestürzt hatten.

Daher war es zur Zeit des Klassizismus die Männerkleidung und nicht die von Frauen, die einen radikalen Sprung in die Moderne machte. Aus dieser relativ kurzen Epoche datiert die Sitte, ausschließlich Frauen in farbige, geschmückte Kostüme zu stecken und Männer in einfache, dunkle, undekorierte Formen zu kleiden. Ab jetzt sollte sich die Mode zum ersten Mal in ihrer jahrhundertealten Geschichte auf einer deutlich geteilten Spur bewegen, zwei separate Wege einschlagen, die erst später wieder zusammenzulaufen beginnen. Der Fakt, dass Frauen von politischen Bewegungen traditionell ausgeschlossen waren, wurde in der Kleidung offenbar. Damals entwickelten sich die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Kleidung sprunghafter als je zuvor. Im Laufe des 19. Jahrhunderts zogen die Frauen die Hosen wieder aus. Statt des politischen Streits kam nun das mütterliche Stillen in Mode. Die Bürgerin streifte nicht mehr umher, sie saß herum, wartete auf ihren Gatten, stickte, strickte, malte kleine Aquarelle, schrieb Briefe, las, spielte ein wenig Klavier und hielt sich häufig das Riechfläschchen unter die Nase, war oft bettlägerig und starb früh, weil sie durch die Einschnürungen ihres Oberkörpers zuwenig Luft und damit Sauerstoff bekam und im übrigen unter chronischem Bewegungsmangel litt. So schlimm stand es um die Frauengesundheit, dass sich sogar männliche Ärzte Sorgen machten. Sie empfahlen bequemere Kleidung und Bewegung im Freien. Allerdings nicht zu bequem und zu frei, „weil es nicht schön von der Frau ist, wenn sie vor uns flieht oder gegen uns kämpft“, bekannte der ehrwürdige Professor Johann Eduard Ermann in entlarvender Freimütigkeit: „Die Frau ist dazu bestimmt, sich einholen zu lassen und sich zu ergeben.“
Das Kleid der Frau stellt an sie immer einen starken, fast theatralisch visuellen Anspruch, allerdings setzt der Anzug der Männer den wirklichen Standard. Die Kleider, die die Frauen im vergangenen Jahrhundert mit sich herumschleppten, waren Verließe aus Stoff - garantiert aus-bruchsicher. Für ein einziges Gewand wurden 40 bis 60 Meter Stoff benötigt. Stellen Sie sich allein das Gewicht vor, liebe Leserin! Unter den Röcken, die jeden Schritt zum Kraftakt machten, steckten diverse Unterkleider: eins aus Batist, zwei aus Kattun, zwei aus Flanell und schließlich ein mit Rosshaar gefütterter Unterrock mit einem Strohzopf am Saum. Die Taille war fest eingeschnürt und bis zum Busen hinauf mit harten Fischbeinstäbchen gepanzert.

Wie sah dagegen die Kleidung für den Mann aus? Sein Outfit bietet eine vollständige Hülle für den Körper und besteht dennoch aus separaten Einzelteilen. Es ist überall einsetzbar: beim Reiten, Jagen, Schießen oder Tennisspielen ebenso wie bei gesellschaftlichen oder beruflichen Anlässen. Arme, Beine und Gesäß werden sichtbar markiert, aber nicht eng umschlossen, so dass schwungvolle Bewegungen keinen Druck auf Nähte und Verschlüsse ausüben. Die Unregelmäßigkeiten des individuellen Körpers werden harmonisch überspielt (z.B. der Bauch oder zu dünne Oberarme), aber nie ausdrücklich modelliert.

Die einzelnen Teile der Gesamtkombination überlappen sich, statt aneinander befestigt zu sein. Das ermöglicht große körperliche Bewegungsfreiheit, ohne dass peinliche Lücken in der Komposition aufklaffen. So kann sich das gesamte Kostüm auf natürliche Weise ordnen, wenn der Körper nach einem Sprung oder einer Streckung wieder ruhig da steht. Zugleich bewirkt lässiges Räkeln, dass die Kleidung attraktiv zufällig Falten bekommt, die eine gleitende Abfolge von graziösen Noten für den Körper in Ruhestellung bilden und die auch gefällig wieder eine glatte Form annehmen, wenn der Träger sich schnell aufrichten und wieder gerade stehen muss.

All dies verbindet eine Harmonie unabhängigen Designs mit angenehmen Gebrauchseigenschaften und einer wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe der darunter liegenden körperlichen Form und Bewegung. Es schmeichelt dem Träger in jeder Hinsicht, weil es nicht auf spezifischen körperlichen Details besteht.

Die Frauenkleider hingegen hielten an alten Ideen fest, bis sie ab Mitte des letzten und im Laufe dieses Jahrhunderts nach und nach das moderne männliche Schema imitierten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durften Mädchen immerhin Gymnastik treiben. Dabei trugen sie Kniebundhosen mit Röcken darüber. Und das war schon eine kleine Revolution. Ausgelöst worden war sie von der ersten Frauenbewegung, die wusste, dass die Frauenfrage auch immer eine Kleider- bzw. Hosenfrage war.[...]

Kapitel: Was tun?

„Man fordere nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, solange man sie in dem Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei - zu gefallen.“
Marie von Ebner-Eschenbach

Ehrlich können die Frauen bei all den gesellschaftlichen Zwängen tatsächlich nicht bleiben. Es ist ein anstrengendes und ermüdendes Leben, ständig eine Rolle spielen und Illusionen aufrecht erhalten zu müssen.
Wie können wir uns aus der aufgezwungenen Rolle befreien? (Ich nehme an, liebe Leserin, dass Ihnen klar ist, dass Sie selbst die Ärmel hochkrempeln müssen, um ein selbstbestimmtes, attraktives Image zu entwickeln?) Halten wir uns an den Leitsatz „Erkennen ist Tun, und Tun ist Erkennen“, dann haben Sie die Hälfte bereits geschafft, indem Sie bis hierher gelesen haben. Oft reicht es aus, die Zusammenhänge zu erkennen, indem wir alles, was uns und unsere Umwelt betrifft, hinterfragen. Will ich dies oder das eigentlich wirklich? Was sage ich da? Mit wem bin ich zusammen? Solche und weitere Fragen führen Sie ganz von allein zu einem selbstbewussten Handeln, ohne dass Sie gleich eine Antwort finden müssen.

Wir haben bisher vieles aufgedeckt und neue Erkenntnisse gewonnen. Im nächsten Teil dieses Buches schreiten wir zu Taten. Sie werden viele Anregungen und Vorschläge, auch Übungen bekommen, die Sie zielgerichtet einsetzen und ausprobieren können. Sie werden sehen, es ist nicht so schwierig zu einer attraktiven Ausstrahlung zu kommen. Persönliche Ausstrahlung hat nichts mit Selbstmanipulation zu tun, Verstellung oder List. Auch nichts damit, Macht über andere auszuüben, um Positionen oder Anerkennung zu wetteifern. Wenn Sie eine starke Ausstrahlung haben, wirken Sie auf natürliche Weise eigenständiger, selbstsicherer und überzeugender. Sie sehen in den Augen anderer außergewöhnlich gut aus, ganz einfach deshalb, weil Sie von allen deutlicher wahrgenommen werden. Andere Leute spüren Ihre persönliche Präsenz.

Wenn wir von uns selbst abgeschnitten sind, verschenken wir das Potential von Ausstrahlung und Attraktivität. Das geschieht immer dann, wenn wir nicht klar unsere Meinung sagen, Körper und Gesundheit vernachlässigen, hilflos wirken, bewusst unordentlich aussehen wollen, unerwünschte Gewohnheiten beibehalten, keinen persönlichen Stil haben, aus einem Schuldgefühl heraus handeln und das Schlimmste erwarten. Alle Zustände, in denen wir unsere Persönlichkeit nicht stärken, führen zu einer armseligen Darstellung dessen, was wir wirklich sind.
Andere sehen uns dann auf eine Art, die nicht unserem Potential, unseren positiven Eigenschaften, unserer echten persönlichen Attraktivität und Kompetenz entspricht. Lernen Sie sich zu zeigen, Ihre echte Persönlichkeit auszudrücken, dann werden Sie als die interessante, attraktive Frau wahrgenommen, die Sie sind!

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