Die Töchter der Großen Göttin

Frauendomänen


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Ablass + Abtreibung

"Jede Frau muss frei sein, ihre eigene Wahl zu treffen. Kein Mann kann für sie entscheiden. Sie muss frohen Herzens Leben geben, um sicher zu sein, dass sie es gut gibt."

Gasquoine C. Hartley in: The Truth about Women,
New York, 1913

 

Ablass

Abtreibung

Simonie ist der nach Simon Magus benannte Handel mit geistlichen Ämtern und Sakramenten.
Die Simonie galt zwar als Sünde, wurde jedoch kaum je kirchenrechtlich verfolgt.

Die Alten betrachteten die Abtreibung generell als die Privatsache der Frauen, bei der kein Mann das Recht hatte, sich einzumischen.

Durch den Verkauf von Ablass machte die patriarchale Kirche ohne materielles Wagnis einen enormen Profit - es kostete sie lediglich das Versprechen, die AblasskäuferInnen würden von ihren Sünden losgesagt und damit nach dem Tode zum Himmelreich zugelassen. Kein Kunde kehrte je mit einer Betrugsbeschwerde zurück.

Mit dem Aufstieg der patriarchalen Religionen - vor allem unter den Griechen - entwickelte sich der Glaube, dass der väterliche Samen dem Fötus die Seele verleiht. Die kirchen-hörigen Männer sorgten sich um die Sicherheit aller Körperbestandteile, die sie von sich fort gaben (abgeschnittene Haare und Fingernägel, Speichel und Blut), damit keine Zauberei dem Lebenden durch etwas schaden könnte, was einmal Bestandteil seiner selbst gewesen war. Diese Angst konzentrierte sich besonders auf das Sperma als Erweiterung der väterlichen Seele.

Es war ein allgemein übliches Verfahren der Päpste, den Befehlshabern der Kreuzzugsheere Generalablass (die Vergebung aller - auch der zukünftigen! - Sünden) zu gewähren. Das Zuckerbrot der Ablassbriefe wurde so das geistige Gegenstück zur Exkommunikation, der die Kraft zugeschrieben wurde, einen Sünder unwiderruflich ins Höllenfeuer zu verdammen.

Wenn der vom Mann gezeugte Fötus zerstört wurde, musste nach dem damaligen männlichen Verständnis auch er selbst mit Sicherheit seelischen Schaden nehmen. Auch Thomas von Aquin vertrat diese Meinung, indem er behauptete, der Samen (der ja streng biologisch genommen nicht "Same", sondern "Pollen" ist) sei das Gefährt der Seelen.
Es war eine logische Fortführung dieser Meinung, dass Abtreibungen durch das Gesetz bestraft werden müssen, nicht weil sie gefährlich für die Frauen, sondern weil sie gefährlich für die Männer waren!

Mit dem Verkauf von Ablassbriefen finanzierten sich die Päpste ihren aufwendigen Lebensstil und ehrgeizige Projekte - so etwa den Bau des Petersdoms. Papst Alexander VI. (1492-1503) begründete auf der Ablasskrämerei ein ganzes Handelsimperium. Der von Leo X. (1513-1521) ausgesandte Dominikanermönch Johann Tetzel bereiste das deutsche Reich, wo er Ablassbriefe feilhielt, die - je nach Preis - für eine unterschiedliche Anzahl an Tagen Befreiung vom Fegefeuer versprachen.

Im Osten war die Abtreibung bis zum fünften Monat, in dem die Kindsbewegungen fühlbar wurden, absolut legal. Nach diesem Zeitpunkt, war eine Frau, die ihren Fötus abtrieb, den Schriften der Brahmanen zufolge des Mordes schuldig. Vor diesem Zeitpunkt besaß der Fötus keine Seele und die Schwangerschaft konnte straflos unterbrochen werden. Diese Lehre verkörperte sich auch in der katholischen Kirche in der Doktrin von der passiven Empfängnis, die bis ins späte 19. Jahrhundert erklärte: Die Seele kommt im fünften Monat der Schwangerschaft hinzu, um den Fötus zu beleben, der bis dahin ohne Seele war.

Tetzel kündigte sich mit den Worten an:
"Ich halte Freibriefe solcher Art feil,... der Menschen Seele ins Paradies zu geleiten. Auf jegliche Todsünde, deren mehrere gemäß unserem Bekenntnis jeglichen Tag begangen werden, sind uns sieben Jahre der Buße, sei es auf Erden oder im Fegefeuer, auferlegt. Wer würde um eines Viertelguldens willen zögern, einen meiner Briefe zu erwerben, erwirbt er so doch seiner göttlichen und unsterblichen Seele die himmlischen Freuden des Paradieses?"

(Welches Geschlecht das Geld besitzt, und wer "sündigt" /Gewalt ausübt, ist dir wohl hinreichend bekannt...)

1869 änderten die Kirchenmänner ihre Meinung über den Zusammenhang zwischen Seele und Fötus. Dabei gestand sie stillschweigend ein, dass entweder ihr Gott seine Kirche über die Methode, wie er die Seele im Körper installiert, falsch informiert hatte. Oder dass dieser Gott sich entschlossen hatte, seine Methode zu ändern. Papst Pius X. verkündete jedenfalls plötzlich, die Seele würde schon im Moment der Befruchtung empfangen.
In Wirklichkeit hatten die Kirchenmänner nur mit ein paar Jahren Verspätung entschieden, sich einigen neuen Gesetzen anzuschließen, die jedoch von Männern, nicht von deren Gott gemacht worden waren.

Ein Zeitzeuge des 15. Jahrhunderts berichtet:

Dieser Tage rufen die Sünder aus "Was schert's mich, wie viele und große Übel ich vor Gott tu, kann ich doch ohne die kleinste Mühe und auf einen Schlag völlige Vergebung an Schuld und Sünden erlangen durch den Ablass, den mir der Papst garantiert und seinen Freibrief, den ich um vier Pfennige erstanden." Die Ablasskrämer ziehen von Ort zu Ort und bieten ihre Briefe für zwei Pfennige oder einen guten Trunk Weins und Biers feil, mitunter auch gegen ihre Spielschulden, item gegen die Befriedigung ihrer fleischlichen Lust oder als Hurenlohn.

In Europa wurde die Abtreibung erst im 19. Jahrhundert als Verbrechen eingestuft. In den USA erscheint sie zum ersten Mal 1830 als Strafbestand.

Heute geben die Kirchenmänner  verlogen vor, "immer schon" gegen Abtreibung gewesen zu sein. Das war sie ganz und gar nicht, denn der Zorn der mittelalterlichen Kirche richtete sich nicht gegen Abtreibungen an sich, sondern gegen die Hebammen, die sie vornahmen. Natürlich ging es um Geld. Das Handbuch der Inquisition stellt fest: "Niemand fügt der katholischen Kirche mehr Schaden zu als die Hebammen."

[Quelle: J. Sprenger und H. Institoris "Der Hexenhammer" (Malleus maleficarum), München, dtv, 1986] 

Die christlich-patriarchalen Männer waren überhaupt nicht gegen das Töten der Ungeborenen, immerhin verbrannten sie scharenweise schwangere Frauen als Hexen. Sogar die schwangere Frau eines Stadtrats wurde 1630 in Bamberg gefoltert und verbrannt, obwohl normalerweise die Frauen und Töchter der Reichen und Einflussreichen verschont blieben.
Hier wirft sich die Frage auf:
Wieso konnten eigentlich die "sündigen Hexen" keine Ablassbriefe kaufen?

Reginald Scot war der Ansicht, in der Ablasskrämerei zeige sich die Oberflächlichkeit der christlichen Lehre - vor allem dort, wo sie mit der Bilderverehrung einherging. Er schrieb über "die Verblendung einiger Papisten, die zwar die Absurdität der päpstlichen Religion erkennen und eingestehen - die Einführung und Förderung der Idolatrie (d.h. Bilder werden nicht als Symbol gesehen, sondern als Fetisch angebetet) und des Aberglaubens, vor allem den an Bilder, Ablass und die Reliquien der Heiligen - und trotzdem darauf beharren, dass der restliche Dogmenplunder heilig und gut ist."

[Nachzulesen: Scot, Reginald "Discovery of Witchcraft", Yorkshire, 1973]

Die Bestrebungen der vergangenen Jahre zur Legalisierung der Abtreibung waren offensichtlich behindert durch die Unkenntnis darüber, wie jung das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs ist. Daneben aber auch durch die allgemeine männliche Einstellung, dass Frauen durch den Zwang zum Kinderkriegen unter Kontrolle gehalten werden müssten.

Betty Roszak schreibt in ihrem Buch "Masculine/Feminine":

"Männliche Gesetzgeber haben den Gedanken einer Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs verlacht und auf eine beispiellose Promiskuität (auf Seiten der Frauen, nicht der Männer!) hingewiesen, für den Fall, dass so etwas erlaubt werden sollte. Währenddessen sterben jedes Jahr Tausende verzweifelter Frauen als direkte Folge der Männergesetze, die eine Abtreibung verbieten. Die Frauen lernen die Bedeutung dieses männlichen Gelächters und die Gleichgültigkeit gegenüber dem riskantesten und ernstesten biologischen Vorgang, dem sich Frauen unterziehen, kennen, ob sie wollen oder nicht."

Infoseite über Abtreibung

Nicht alle Katholiken waren oder sind mit dem Ablasshandel einverstanden. Der Nürnberger Schuhmacher und Meistersinger Hans Sachs fasste seinen Spott über die Ablasskrämerei in seinem Gedicht "Die wittembergisch Nachtigall" in Verse, die bald als geflügeltes Wort überall verbreitet waren:

Legt ein, gebt euwer hilff und stewr
Und lößt die seel aus dem Fegefewr
Bald der guldin im Kasten klinget
Die Seel sich auff gen hymel schwinget.

Die katholischen Kirchenmänner bestehen nach wie vor auf ihrem Anspruch, über die reproduktive Funktion der Frauen Autorität zu besitzen. Katholische Krankenhäuser verweigern die Durchführung von Abtreibungen, selbst wenn das Kind Folge einer Vergewaltigung ist. (Der Vergewaltiger hat sich sicher schon einen Ablasszettel gekauft...)

Ach du denkst, der Ablasshandel sei eine Sache aus dem "finsteren Mittelalter"??

Da täuschst du dich aber, das Mittelalter ist auch nicht finsterer als unsere heutige "moderne" Zeit:

Ohne Sünde ins neue Jahrtausend

ist der Artikel in der Süddeutschen Zeitung im Oktober 1998 überschrieben, den ich dir nicht vorenthalten möchte.

Untertitel:
Der Papst bietet im Heiligen Jahr einen Jubiläumsablass an

Es wird ein Jahr voller symbolischer Handlungen sein, und seine Schatten wirft es schon voraus. Bei einem feierlichen Hochamt in der Vatikan-Basilika will Johannes Paul II. an diesem Sonntag eine sogenannte Päpstliche Bulle vorstellen, mit der das Jahr 2000 offiziell zum Heiligen Jahr erklärt wird. Der 2000. Geburtstag des Religionsgründers Jesus soll für die katholische Kirche "ein festliches Ereignis" werden, das zig Millionen von Pilgern vor allem nach Rom und zu den heiligen Stätten in Israel locken wird.
Die Bulle, ein feierlicher päpstlicher Erlass, wurde am Freitag im Vatikan veröffentlicht. Sie regelt die Ritualien für die Jubiläumsfeiern in aller Welt, enthält aber auch selbstkritische Aussagen. Beispielsweise bekräftigt der Papst seine Ansicht, das Jahr 2000 müsse auch die katholische Kirche zum Anlass nehmen für eine kritische Gewissenserforschung. Ihre Geschichte sei zwar "eine Geschichte der Heiligkeit", (Anm.: Wann war das ???) verzeichne aber auch viele Ereignisse, "die ein Antizeugnis gegenüber dem Christentum darstellen". Deshalb müsse die Kirche "Vergebung für die Sünden ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart" erflehen.
[...]

Das Jahr 2000 soll nach den Worten des Papstes die gesamte Kirche in "eine neue Zeit der Gnade und der Sendung" hineinführen. Dazu enthält die Bulle einen ausdrücklichen Hinweis auf "den missionarischen Einsatz der Kirche" und die "heutigen Erfordernisse einer Evangelisierung", die das II. Vatikanische Konzil herausgestellt habe. [...]

Eröffnet werden die Jubiläumsfeierlichkeiten, die vom 25. Dezember 1999 bis zum 6. Januar 2001 dauern sollen, in der Weihnachtsnacht des kommenden Jahres im Vatikan. Der Papst wird dann die "Heilige Pforte", eines der fünf Tore der Petersbasilika, das üblicherweise zugemauert ist, mit Hammerschlägen öffnen und hindurch schreiten. Ähnliche Zeremonien folgen in den anderen Patriarchalkirchen Roms. Auch in Jerusalem und Bethlehem sind Feiern vorgesehen.
Aus Anlaß des Jubiläums verkündete Johannes Paul II. einen besonderen Ablaß, mit dem "dem reuigen Sünder die zeitliche Strafe für Sünden" erlassen wird. Laut dem Dekret "Anweisungen für die Erlangung des Jubiläumsablasses" des Apostolischen Bußamtes (Pönitentiarie) kann der Ablaß jedoch nur einmal täglich nach Ablegung der Beichte und nach Teilnahme an einer Messe gewonnen werden. Die Gläubigen gelangen gemäß einem genau festgelegten, umfangreichen Katalog von Bedingungen in den "reichlichen Genuß des Ablaßgeschenkes".

Was das mit dir zu tun hat? Du bist gar nicht katholisch? Gehst überhaupt nicht in die Kirche? Bist längst ausgetreten? Hast auch deine Kinder nicht zwangseintreten lassen, sie sind nicht getauft.

Dazu lasse ich eine Leserin zu Wort kommen:

"Ich unterstütze keine korrupten Unternehmen, die leider völlig legal den Staat vor ihren Karren spannen, um das Volk auszunehmen. Es wird endlich Zeit, dass auch in Deutschland Staat und Kirche voneinander getrennt werden. Das heißt für mich auch, Religionsunterricht hat in den Schulen nichts zu suchen. Er gehört verboten. Schließlich gibt man der Maffia und anderen kriminellen Organisationen auch keine Gelegenheit, schon kleine Kinder in den Schulen für Ihre krummen Absichten zu begeistern."

UND: Selbst wenn du keine Kirchensteuer zahlst, so werden aber die Finanz-BeamtInnen, die diese Zahlungen verwalten und an die Kirchen weiterleiten, auch von deinen Steuergeldern bezahlt!

UND: Wir hatten sechzehn Jahre lang eine Regierung, die sich "christlich" nennt. In einigen Bundesländern und in der Kommunalpolitik sitzen weiterhin Kirchenmänner oder Männer von CDU/CSU. Politik und Religion sind miteinander verfilzt und ziehen an einem Strang, wenn es darum geht die patriarchale Männer-Macht aufrechtzuerhalten.

Das hat eben doch mit dir zu tun!

 

Eyes of the GoddessJa, ja - es ist zum Heulen;
aber die Tränen dieser Ton-Figur (24.000 Jahre v.u.Z.) beziehen sich nicht auf das Leid in Konsequenz von Vätermacht, sondern auf die Quelle von Schöpfungskraft Kraft.

Die Augen sind ebenso wie der Mund und die Brüste ein elementares Symbol für die spendenden Wasser der Urahnin (Tränen, Speichel, Milch).
Die Vorstellung der Augen als Quelle hat bereits in der Altsteinzeit existiert. Auf der 11 cm hohen Statue aus Delní Vestonice (Moravien), beginnt der über den Körper fließende Strom in den Augen. Der Grundgedanke des lebensspendenden "göttlichen (Augen)wassers" wiederholt sich immer wieder auf den Kunstgegenständen der mittleren- und frühen Jungsteinzeit.

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