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Alle sind anders

Seit dem Niedergang der Alten Zeit fehlen Männern und Frauen religiöse Vorbilder, Symbole und spirituelle Systeme, die menschliche Bedürfnisse ansprechen.

Westliche wie östliche Religionen sind durch männlich-väterliche Vorstellungen vom Göttlichen charakterisiert. Unabhängig davon, wie abstrakt die zugrundeliegende Gottesvorstellung auch ist, die Symbole, Prediger, Gurus und Bhuddas sind hierarchische Vaterfiguren.

Die Menschen werden nicht ermutigt, ihre eigenen Kräfte zu erproben und sich selbst zu verwirklichen, im Gegenteil: Sie werden gelehrt sich der väterlichen Autorität selbstverleugnerisch zu unterwerfen. Sie lernen die patriarchalen Wahrnehmungsweisen als ihre eigenen spirituellen Ideale zu übernehmen - und das Schlimmste: sie merken es nicht und halten diese fremden Ideale für ihre eigenen "normalen" Maßstäbe.

In welch ungeheurem Ausmaß wir lernen uns selbst zu missachten ist hier zu lesen: "Wie Mädchen gemacht werden"

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Mary Daly, die Autorin von Beyond God The Father, weist darauf hin, dass das Modell des Universums, in dem ein Vater-Gott den Kosmos von außerhalb beherrscht, dazu dient, die Kontrolle einiger weniger über die gesellschaftlichen Institutionen zu rechtfertigen:

"Das Symbol von Gott Vater hat dem Patriarchat einen Dienst geleistet, indem es seine Mechanismen zur Unterdrückung der Frauen und meisten Männer richtig und angemessen erscheinen ließ."

Das unbewusste Vorbild formt immer noch die Wahrnehmungen - sogar derer, die aus den patriarchalen Kirchen ausgetreten sind und ihre Lehren verworfen haben. Die Einzelheiten des einen Dogmas werden abgelehnt, aber die zugrunde liegende Lehre ist so verinnerlicht, dass sie nur selten in Frage gestellt wird.

Die christliche Theologie beispielsweise betrachtet die Wahrheit immer als etwas von außen Kommendes, etwas Definiertes, das nur aus zweiter Hand erkennbar ist. Dadurch wird verhindert, die Eigenwahrheit wahrzunehmen und nach eigener Ethik zu handeln. Die Geisteswissenschaftlerin Carol Christ drückt es so aus:

"Symbolsysteme können nicht einfach verworfen, sie müssen ersetzt werden. Wo kein Ersatz ist, wird sich der Geist in Zeiten der Krise, der Verwirrung oder der Niederlage zu vertrauten Strukturen zurückwenden."

Alle sind anders. JedeR hat ihre/seine eigene Wahrheit. Aber den Weg zur schöpferischen Kraft der Natur können alle finden.

   
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