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Na gut, die heutige Wissenschaft würdigt den weiblichen
Beitrag zur wirtschaftlichen Selbstversorgung der Frühzeit
stärker.
Aber trotzdem besteht sie auf einer "naturgegebenen"
Arbeitsteilung. Dabei soll der Mann, als der Stärkere, die
Großwildjagd und die Verteidigung von Frauen und Kindern
übernommen haben. Ha!
Als erstes ist dagegen zu sagen, dass die Großwildjagd
erwiesenermaßen eine relativ späte Form des Jägerdaseins
ist. Außerdem ist es nicht richtig, dass Männer größere
Körperkräfte aufzuweisen hatten.
Die männlich-patriarchalen Forscher arbeiten wie in
folgendem Beispiel, um die Tatsachen zu ihren Gunsten zu
verdrehen:
Das westafrikanische Volk der Dogon ist für die
Herstellung sehr großer und schwerer Tonkrüge als Wasser-
und Vorratsbehälter bekannt. Diese Gefäße werden
traditionell ausschließlich von Frauen geformt und gebrannt.
Dazu heißt es in der Enzyklopädie "Bild der Völker":
"Die Arbeitsteilung in der Gemeinde ist starr. Die Frauen
kochen, stellen Töpferwaren her, färben und spinnen
Wollfasern. Den Männern bleiben die anstrengenderen
Arbeiten, sie weben und flechten Körbe."
Solche Aussagen untermauern den Mythos vom schwachen
Geschlecht.
Im Gegensatz zur modernen Zivilisation hat es in
prähistorischer Zeit eindeutig mehr Frauen-Berufe als
Männer-Berufe gegeben: Die Sammlerin und Pflanzerin, die
Kürschnerin und Schneiderin, die Flechterin, Spinnerin,
Färberin und Weberin, die Töpferin und Hausbauerin. Dagegen
gab es nur eine begrenzte Zahl an männlichen Tätigkeiten:
Einerseits die Jagd und die Verfeinerung der Jagdwaffen,
und andererseits der Bergbau.
Jedenfalls ist es sicher kein Zufall, dass Jäger, Bergmann
und Schmied im Märchen von einem besonderen Bild der
Männlichkeit umgeben sind.
Hingegen muss die Funktion des Mannes als Verteidiger der
Gruppe skeptisch aufgenommen werden. Warum?
Weil alles dafür spricht, dass es Krieg im heutigen Sinne
in der menschlichen Geschichte nicht gab!
Alles in allem gab es ursprünglich keine lebenswichtigen
Tätigkeiten für die Selbsterhaltung der Gruppe, die die
Frauen nicht ebenso erfüllen konnten wie Männer. Und wenn
wir bedenken, dass die Urfamilie eine Mutterfamilie war, zu
der die erwachsenen Männer nur in einer losen Beziehung
standen, so ist es offensichtlich, dass die Männer weder
dazu vorgesehen waren der Frauen- und Kindergruppe Nahrung
zu verschaffen, noch diese gegen Feinde zu verteidigen.
Dies ist im übrigen eine Situation, die wir bei den
allermeisten Säugetieren finden.
Noch ein anderes, hartnäckiges Vorurteil hält der Realität
nicht stand. Nämlich die Vorstellung, die Frau sei stets an
einen beschränkten Lebensraum gebunden gewesen. Das Leben
der Frau als Sammlerin zwang sie vielmehr, regelmäßig ein
sehr großes Terrain zu durchstreifen und sich detaillierte
Kenntnisse über ihre Umwelt anzueignen. Der Aktionsradius
des Jägers war nicht größer.
Und die Mütter waren seit jeher äußerst erfindungsreich
im Tragen ihrer Säuglinge. Zudem unterstützten und vertraten
sie sich gegenseitig in der Kinderbetreuung und auch beim
Stillen.
Später wurde das Frauenkollektiv sesshaft. Die Frauen
sind für Aussaat und Ernte, Vorratshaltung und
Güterverteilung zuständig und in der Agrarwirtschaft
unentbehrlich. Sie überlassen daher den entbehrlichen
Männern die Aufgaben des Handels und die
politisch-diplomatischen Funktionen als Verbindungsleute zu
anderen Stämmen.
Solche Aufgaben waren zunächst nicht mit einem besonderen
Sozialprestige oder irgendwelchen Machtbefugnissen
verbunden. Personen, die sich damit befassten, überwiegend
Brüder der mütterlichen Sippe, bauten diese Funktionen erst
allmählich zu eigentlichen Machtpositionen aus.
Sie schufen auf diese Weise hierarchische Strukturen, die
der matriarchalen Sippenordnung ursprünglich fremd sind.
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