Die Töchter der Großen Göttin

Die Doppelrolle der Frau

 

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2. Das Rätsel der „vorehelichen Promiskuität ohne Empfängnis“

3. Kulturen und Örtlichkeiten, in denen pflanzliche Verhütungsmittel benutzt wurden /Quellenangaben

 

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Die Doppelrolle der Frau

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Literatur

 

 

 

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Die Sprache ist aufschlussreich:
Noch vor ein paar Jahren sang der Schlagersänger Tony Marschall "Schöne Maid, hast du heut' für mich Zeit?" - offenbar ist der mittelhochdeutsche Ausdruck 'meit' oder 'maid' immer noch aktuell. Dieses Wort ist mit "Magd" identisch und bedeutet "Mädchen, Jungfrau, Dienerin".
Seine Verkleinerungsformen sind moderner Alltag:
Mädchen, Mädel, Madel - je nach Region.

In den frühen indogermanischen Sprachen bedeutet das Adjektiv "magho-s" einfach nur "jung" und wurde auf Mädchen genauso wie auf Knaben angewandt.

Nein - nicht die Wahl zwischen Kind oder Karriere macht der Frau das Leben schwer. Beruf und Haushalt bekommt sie leicht unter einen Hut, im Vergleich zu der Doppelrolle, die das Patriarchat ihr abverlangt!

Wir müssen genau hinschauen, wenn wir das weltanschauliche Geflecht der patriarchalen Theorie entwirren wollen. Wir müssen exakt analysieren, um die unbewussten patriarchalen Wurzeln zu erfassen und wahrzunehmen.

Die eine, allerdings nur vordergründige, Seite bei der Entstehung des Patriarchats ist die:
Der Mann hat die Frau unterworfen und zu seiner Sklavin gemacht.

Dass er aber das uralte Band zu den Müttern nie durchschnitt und seine emotionale Zuflucht stets bei den Frauen suchte, ist die andere Seite, die aber von seinem Stolz verdrängt werden muss.

Auch die härtesten Patriarchen der Geschichte haben entweder eine tiefe Bindung an ihre leibliche Mutter aufrecht erhalten oder haben Verständnis und emotionale Geborgenheit bei der oft gering geachteten Ehefrau, der Hetäre oder sogar der Prostituierten gesucht.

[Sprichwort: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau.]

Nahezu alle Biografien berühmter Männer enthalten eine mütterliche Frauenfigur, die als Kraftquelle im Hintergrund sein Leben fördert oder eine Lebensgefährtin, die ihr ganzes Leben daran gibt, den "großen" Mann wie ein Kind zu umsorgen.

Dabei wird es zu einer typischen Regel, dass diese Betreuerinnen-Rolle von der Gattin auf die Tochter übergeht -
ein Gesellschaftsmuster das immer noch in Gebrauch ist! (Auch Freuds hochbegabte Tochter Anna hat ihren Vater bis zu dessen Tod gepflegt...)

Die Doppelrolle der Frau im Patriarchat wird in der Fachliteratur "Muttersklavin" genannt (siehe: Carola Meier-Seethaler). Diese Rolle wird selten offen beim Namen genannt. Aber wenn du genau hinschaust, kannst du sie hier und da entdecken, meistens indirekt über das Verhalten von Männern.
Jean Anouilh etwa legt sie in seinem Stück "La valse des toreros" der Figur des Arztes in den Mund: "Wir alle bleiben kleine Buben. Nur die Mädchen werden erwachsen."

Und über folgenden Witz können bereits 10Jährige lachen: "Was haben gewisse Männer mit Hunden gemeinsam?
Mit 28 sind sie eigentlich erst 4".

Es steht auch die Redensart vom "Kind im Manne", mit der sein infantiles bis verantwortungsloses Verhalten entschuldigt wird und das eine Muttersklavin voraussetzt.

Die Küchenmagd von VermeerSehr häufig wird diese weibliche Doppelrolle religiös oder romantisch verklärt. Beispielsweise in der Idealgestalt der Madonna, die zugleich Mutter und Magd des "Herrn" ist. Die Faszination, die von Jan Vermeers berühmtem Gemälde "De Keukenmeid" über Jahrhunderte hinweg ausging und -geht, ist vor diesem Hintergrund zu verstehen. Sie ist ganz die fügsame Muttergestalt.

Diese Darstellungsweise der Frau erspart dem Mann das Eingeständnis seiner Abhängigkeit:

Wenn es ihm gelingt, der irdischen Frau überirdische Muttertugenden abzuverlangen, weil das ihre 'gottgewollte' oder 'naturgewollte' Bestimmung sei, dann macht er sich zu Recht zum Empfangenden und weist der Frau Schuldgefühle zu, sobald sie dieser Rolle nicht entspricht.

Diese Erwartung passte noch einigermaßen, so lange die Muttersklavin nicht gleichzeitig die Geliebte des Mannes war. Bis in die Fünfziger Jahre hinein verbannte die christlich-puritanische Moral die sinnliche Liebe aus dem heiligen Zweck der Ehe bzw. die doppelbödige patriarchale Moralvorstellung erlaubte dem Mann mehrgleisige Beziehungen.

Erst der Anspruch der bürgerlich-romantischen Liebesidee an die Ehefrau, die in einer Person die

  • hausfraulich-dienenden,

  • mütterlich-schützenden und

  • erotisch-sexuellen

Tugenden zu verwirklichen habe, wird zur Seelenakrobatik für die Frau.

Dies um so mehr in der Kleinfamilie der Gegenwart, in welcher die Erwartungen des Mannes an die emotionalen Ergänzungsleistungen der Frau größer sind als je zuvor, nachdem das eheliche Heim zur einzigen Oase einer stressbesetzten und immer härteren Welt der Technik und des Wettbewerbs geworden ist.

Von diesem erhöhten Erwartungsdruck auf das Glück in der Ehe sagt Erich Fromm:
"... es gibt kaum ein Unternehmen, das mit derart ungeheuren Erwartungen begonnen wird und mit derart großer Regelmäßigkeit fehlschlägt."
[in "Die Kunst des Liebens", Darmstadt 1962]

Dieser Erwartungsdruck ist nicht nur Ursache für die ständig steigenden Scheidungsraten, sondern auch für die Ausbildung bestimmter Formen ehelicher Gewalt.

Dabei geht es noch nicht mal so sehr um die offensichtliche körperliche Gewalt - obwohl auch diese in der geschrumpften Kleinfamilie größere Chancen hat, ganz einfach weil es an erwachsenen ZeugInnen mangelt. Es geht vielmehr um die Möglichkeit der Aggression und Einschüchterung.

Wieso?

Unter der Voraussetzung gegenseitiger erstrebter Gefühlsnähe und der eben geschilderten männlichen Wunschprojektionen, wird der Mann die leiseste Störung der ehelichen Harmonie mit Gereiztheit beantworten. Die Frau wird ebenso sensibel auf die offenen oder versteckten Aggressionen reagieren:

Ein kurzer, schneidender Ton in der Stimme des Ehemannes kann genügen, um die Frau auf ihren Platz zurückzuverweisen, sobald sie von der erwarteten Rolle abweicht.

Und je mehr der Mann sie unbewusst zur Muttersklavin macht, desto schärfer wird der "Kindtyrann" in ihm reagieren, wenn die Frau seine Wünsche unberücksichtigt lässt oder sich eigenen Interessen zuwendet.
Zeichnet sich aber eine seelische Entfremdung ab, so wird ihn das in Panik versetzen, worauf er unter Umständen mit Drohungen oder sogar mit Gewalt reagiert.

 

  In Wirklichkeit ziehen die Frauen die Fäden.
Wie kann es zu dieser gängigen Behauptung kommen?

Alle psychischen Umstände, wo Unbewusstheit mit im Spiel ist, haben ihre heimlichen Tücken. So auch das Modell der patriarchalen Muttersklavin. Bei entsprechender Charakterprägung der beteiligten Personen kann sich aus dem Tyrannen plötzlich ein Hampelmann und aus der Muttersklavin eine heimliche "Herrin" entwickeln.

Die Beispiele von der klugen bis berechnenden Ehefrau sind zahlreich und wurden/werden jungen Frauen sogar empfohlen, damit sie ihren Ehemann mit sanftem Druck genau in die Richtung lenken, die für sie vorteilhaft sind.

Esther Vilars "dressierter Mann" ist eine Variante dieses Grundmusters.

Der umgarnte Mann fühlt sich dabei als souveräner Gönner und Ritter, während er in Wirklichkeit nur Marionette ist. "Hampelmann" und "Muttersklavin" sind einander ergänzende Gegenstücke.

Wie weit verbreitet dieser Mechanismus auch in außereuropäischen patriarchalen Kulturen ist, beweist eine Schilderung, die zwei Autorinnen der arabisch-schweizerischen Frauenvereinigung (AFAS) über Frauen im Islam geben:
"... ein arabischer Mann bleibt zeit seines Lebens quasi an der Nabelschnur der Mutter hängen. Er vergöttert sie und würde sich nur im äußersten Notfall gegen sie stellen. Das weiß auch die junge Ehefrau. Daher bemüht sie sich zuallererst um ein möglichst gutes Verhältnis zur Schwiegermutter. Bilden die beiden eine Union und werden zusätzlich von den übrigen weiblichen Verwandten unterstützt, hat der Mann kaum eine Chance, gegen die zahlenmäßige Übermacht aufzukommen. Es ist manchmal geradezu mitleiderregend anzusehen, wie sich das Urbild eines Mannes in einen häuslichen Hanswurst verwandelt und von starken Frauen dominiert wird, die ihm ihre Entscheidungen mit großem Geschick unterschieben." [Artikel "Frauen im Islam" in Emanzipation. Zeitung der OFRA, Basel 1985]

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Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass eine solche indirekte Machtausübung der Frau für beide PartnerInnen ebenso unwürdig ist, wie die Rolle der Muttersklavin.
In beiden Fällen hat weder die Frau noch die Partnerschaft eine echte Chance. Aber das will das Patriarchat auch gar nicht.

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