20. bis 24. Dezember
"Nacht der Mutter" oder Julfest oder Weihnachten
Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende die Wiedergeburt des Lichts ist eines der größten
Feste für alle Frauen, Feen und Hexen, die die Sonne mit Nachtwachen, Tanz und Gesang
begrüßen.
Die meisten vorchristlichen Mysterienkulte feierten die Geburt des
göttlichen Kindes zur Wintersonnenwende. Somit lautet der alte Name im angelsächsischen
Raum für diese Nacht "Modraniht" "Mutter-Nacht".
Welche waren alle diese geheimnisvollen Mütter, vor denen unsere AhnInnen Ehrfurcht
empfanden?
Die Großen Göttinnen in aller Welt gebaren wie in einem einzigen, orchestrierten
göttlichen Akt eine neue Welt:
Rhiannon gebiert ihren Sohn Pryderi,
durch Isis wird Horus wieder geboren,
Demeter bekommt ihre heilige Tochter Persephone,
die Erdgöttin schenkt Dionysos das Leben,
und in Japan kommt Amaterasu aus ihrer Höhle.
Diese verschiedenen Feiern der Wiedergeburt sind der Ursprung unseres Weihnachts- oder
Julfestes (Jul heißt "das Rad").
Bräuche wie Weihnachtsbäume, Geschenke, Kerzen, Mistelzweige, Stechpalmensträucher,
Lieder, Feiern und Prozessionen stammen allesamt aus der vorpatriarchalen Verehrung der
Göttin als Mutter des Göttlichen Kindes.
(Der Schwerpunkt lag dabei auf der Mutter, nicht auf dem Kind!)
Die Weihnachtsbäume entwickelten sich zu römischer Zeit aus den pinea silva,
Pinienhainen, die bei den Tempeln der Göttin lagen. In der Nacht vor einem heiligen Tag
schnitten römische Priester, die dendrophori, "Baumträger" genannt
wurden, eine der heiligen Pinien, schmückten sie und brachten sie in den Tempel, damit
daran das Bild des Attis aufgehängt werden konnte. Die Figuren und Fetische, die in
späteren Jahrhunderten an diese Bäume gehängt wurden, stellten den ganzen Pantheon
(Gesamtheit der Gottheiten) am Weltenbaum dar.
Unsere angelsächsischen AhnInnen, die erst spät mit dem Christentum in Kontakt kamen,
feierten bereits Weihnachten, das seit Jahrhunderten "Modranect",
"Modraniht" und dann bei den Römern matrum noctem hieß. Es wurde
in etwa so gefeiert, wie wir es heute noch tun: den Kindern wurde an diesem Tag
Unterhaltung geboten Theaterstücke, Mummenschanz, magische Scharaden. Die Kleidung
war festlich, das Essen ausgesucht. Talismane, die Glück bringen sollten wie
Glöckchen, Glück bringende Hüte, Socken für einen glücklichen Lebensweg, Spielzeug
und warme Kleider -, wurden ausgetauscht. Es wurde getanzt, die Jugend traf sich, umwarb
sich und verliebte und küsste sich unter dem Mistelzweig.
Was hat die patriarchal-christliche Kirche daraus gemacht:
Während der ersten drei Jahrhunderte kannten die Christen den Geburtstag ihres
Heilands überhaupt nicht. Im 4. Jahrhundert gab es eine lange Diskussion über ein
mögliches Datum. Manche waren für den populären Tag des Koreion, an dem die Göttin in
Alexandria den neuen Aion gebar. Heute heißt dieser Tag Epiphanias und ist in der
armenisch-christlichen Kirche noch immer der offizielle Geburtstag Christi und wird in der
griechisch-orthodoxen Kirche feierlicher begangen als Weihnachten.
Die römischen Kleriker neigten mehr zum Mittwinterfest des Mithraskultes, das
"Geburtstag der unbesiegbaren Sonne" genannt, und von Kaiser Aurelianus mit dem
griechischen Sonnenfest der Helia vermischt wurde. Nach einigem Hin und Her übernahmen
dann die römischen Kirchenmänner im 4. Jahrhundert den 25. Dezember, weil die Menschen
es gewohnt waren, diesen Tag Geburtstag Gottes zu nennen.
Die Feiern der Weihnachtszeit wurden weiterhin (bis heute!) in vorpatriarchaler Weise
gefeiert, so dass viele Kirchenmänner verbittert ihre "fleischliche Extravaganz und
Ausgelassenheit" beklagten.
Der Verehrung Marias als Gottesmutter setzten die christlichen
Kirchenväter erheblichen Widerstand entgegen, denn sie waren sich darüber im Klaren,
dass Maria aus einer Mischung verschiedener althergebrachter Göttinnen bestand (deren
Niederkunft das Weihnachtsfest ja eigentlich gilt!).
Mari ist ein Grundname der Großen Göttin. Ihr lateinischer Name war Maria, "die
Meere", aber sie war auch Himmel und Erde, da sie in ihrer frühesten Form als
Dreiheit erschien.
Die christlichen Patriarchen versuchten, Maria zu vermenschlichen und herabzusetzen, um
zu beweisen, dass sie eine Anbetung nicht wert sei.
Anastasius sagte: "Lasst niemanden Maria die Mutter Gottes nennen, denn Maria war nur
eine Frau, und es ist unmöglich, dass Gott von einer Frau geboren wurde."
Die AnhängerInnen einer Sekte, die sich Marianiten nannten und
äußerten, dass Maria die wahre Eigenschaft der Göttlichkeit besäße, wurden von den
Männern der christlichen Kirche bis ins 5. Jahrhundert hinein als Ketzer gejagt und
ermordet.
Das christliche Patriarchat musste sich seine ganze Geschichte hindurch
mit dem Marienkult herumplagen. Das Bedürfnis der Leute, die Mutterfigur zu verehren,
trat einfach immer wieder zu Tage.
Manche Kirchenväter versuchten Maria zu verunglimpfen, indem sie ihre Mutterschaft
ablehnten, weil sie nicht nur eine einfache Sterbliche, sondern auch noch eine sündige
Frau gewesen war. Die Kirchenväter versuchten alles, weil die Marienverehrung, dort wo
sie erlaubt war, manchmal die Form orientalischer Ausschweifungen annahm.
Germanus, beispielsweise, der 717 Patriarch von Konstantinopel war, nannte Maria die
"heiligste Herrin" und "ehrwürdigste Gebieterin". Die Menschen des
Mittelalters betrachteten den christlichen Männer-Gott oft als ihren Verfolger, aber
Maria als ihre Verteidigerin.
Die christliche Gestalt der Maria entstand in den ersten vier Jahrhunderten der
christlichen Ära Stück für Stück aus Fragmenten und Einzelelementen der Großen
Göttin, die in allen Tempeln der Alten Welt "göttliche Söhne" und Heilande
empfing.
Einige christliche Asketen dachten sich sehr seltsame Mechanismen aus, um Marias
Schwängerung so geschlechtslos wie möglich darzustellen. Auf heiligen Kunstwerken war zu
sehen, wie aus Gottes Mund Samen strömte und durch eine lange Röhre lief, die unter
Marias Röcke führte. [Nachzulesen bei Simons, G.L.:"Sex and
Superstition". New York: Harper & Row 1973]
Die östlichen Kirchen verehrten ein paar Jahrhunderte lang eine
Mutter-Vater-Sohn-Dreiheit von Maria, Gott und Jesus, die nach dem Muster matriarchaler
Triaden wie Isis-Osiris-Horus, Rhea-Zeus-Zagreus, Artemis-Apollo-Herakles usw. gebildet
worden war.
Du musst dir vorstellen, dass diese Betrachtungsweise derart allgemein verbreitet war,
dass sich sogar die Schreiber des Korans genötigt sahen, die göttliche Dreiheit von
Maria, Gott und Jesus ausdrücklich zu verneinen!
Das Problem der Kirchenmänner bestand darin, aus der volkstümlichen
Beziehung zu Maria Vorteile zu ziehen und gleichzeitig ihre ausdrückliche Vergöttlichung
zu vermeiden.
Die Theologen plagte immer die Furcht, Maria zu viel Macht und Ruhm beizumessen. Papst
Johannes der XXIII., der sich anmaßte, Marias innerste Gedanken zu kennen, verkündete:
"Die Madonna ist nicht erfreut, wenn sie über ihren Sohn gestellt wird", obwohl
in erster Linie die Kirche nicht erfreut war.
Die patriarchalen Geistlichen behaupteten, dass alle Frauen unter einem dreifachen
Fluch stünden. Sie seien verflucht, wenn sie unfruchtbar seien. Aber auch als Schwangere
wären sie verflucht, denn die Empfängnis geschähe nach der Art der Ursünde. Und sie
wären schließlich, in Erfüllung des Fluches des Männer-Gottes gegen Eva, durch
den Schmerz des Gebärens verflucht.
Maria aber entging allen drei Flüchen: "Von allen Frauen ist nur Maria begnadet,
denn sie ist Jungfrau und fruchtbar, sie empfängt in Heiligkeit und gebärt ohne
Schmerz." Diese Sichtweise trug (und trägt!) natürlich nur wenig dazu bei, das Los
der normalen Frauen zu erleichtern; ihnen wurde ein völlig unerreichtes Ideal
vorgehalten, das sie auch noch wegen ihrer Sündhaftigkeit in Schuldgefühle stürzen
sollte.
Für die Menschen des Altertums war eine Göttin, die gleichzeitig
Jungfrau und Mutter war (genauso wie Liebhaberin und Weise Alte), keine Ungereimtheit,
denn für sie stellte die Große Göttin alle Frauen in allen Lebensphasen dar.
Die Christen bestanden dagegen darauf, dieses "Geheimnis" wörtlich zu
nehmen, da sie den Blick für eine subtile Sinnlichkeit verloren hatten.
Ein Grund für die Übernahme Marias durch die Kirche lag in der erfolgreichen
Amputation ihrer vorchristlichen Sexualität. Marias Jungfräulichkeit wurde unter allen
Attributen, die sie von der Großen Göttin geerbt hatte, am stärksten betont. Sie wurde
"die Jungfrau", nicht "die Mutter" genannt. Die Kirchenväter
bestanden darauf, dass sie nie in ihrem Leben Geschlechtsverkehr hatte, obwohl in der
Bibel eindeutig von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede ist.
Viele moderne Menschen wissen nichts von den Theorien und Doktrinen, zu denen sich ihre
Religion bekennt. Sie verehren Maria, weil ihr inneres Wesen einen Mutter-Archetyp braucht
und Maria der einzige ist, den sie kennen gelernt haben.
Sie wissen nicht, wie viele "Marias" es schon vor dem Christentum gab.
Aber gebildete Geistliche wissen es. Der Kanoniker John de Satgé schrieb: "Der
Anhänger des evangelischen Glaubens hegt das starke Misstrauen, dass die tiefsten Wurzeln
des Marienkultes nicht in der christlichen Tradition zu finden sind. Die religiöse
Geschichte der Menschheit zeigt eine immer wiederkehrende Tendenz zur Anbetung einer
Mutter-Göttin... Könnte es nicht sein, fragt sich der Anhänger des evangelischen
Glaubens, dass unsere Religion in Wirklichkeit viel älter ist, dass wir es mit einem
Heidentum zu tun haben, das zu leichtfertig auf Christus umgetauft wurde und dessen
althergebrachte Merkmale unter einer dünnen christlichen Hülle fortbestehen?"
Aber Maria selbst wurde nicht "leichtfertig" vom Christentum übernommen.
Gegen sie gab es langanhaltenden Widerstand, der nur Zugeständnisse machte, weil die
Christen gegenüber den matriarchalen Mysterien-Kulten konkurrenzfähig bleiben wollten.
Feiern wir Frauen also die "Nacht der Mutter Maria" oder
einfach die "Mutter-Nacht", während sich gewisse Männer mit Weihnachten
herumschlagen, das sie nicht verstehen (können).
Wenn du mit Kindern feierst:
Verlagere den Blickwinkel mehr auf das Weibliche, Mütterliche.
Erzähle ihnen von ihrer eigenen Geburt. Wie du für dich und das Baby
Geschenke bekommen hast, von wem und was es war. Erzähle, welche Leute
dich nach der Geburt besuchten und dir gratulierten. Schmücke es aus!
Und
damit hast du deinem Kind die Weihnachtsgeschichte erzählt.
Frohes Fest!
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