
"... Ich war mit meinem Mann so glücklich, ehrlich. Wir hatten nie
Streit, über dreißig Jahre lang trennten wir uns keinen Tag und keine
Nacht. Wissen Sie, mein Mann wäre auch gar nicht fähig gewesen, ohne
mich zu überleben. Der konnte sich ja nicht mal ein Ei in die Pfanne
hauen. Aber stellen Sie sich vor: Obwohl ich jede Nacht meinen Mann
vermisse, er ist vor zwei Jahren plötzlich gestorben, habe ich etwas
Seltsames bemerkt. Die Migräne, die ich dreißig Jahre lang in schwerster
Form erleiden musste, ist wie weggeblasen, seit mein Mann tot ist.
Was sagen Sie dazu?"
Ich sag' Ihnen eins:
Lesen Sie auf keinen Fall die Biografien von
Zelda Fitzgerald ("Schenk mir den Walzer") und
Alexandra David-Néel, oder die von
Frida Kahlo und
Georgia O'Keeffe, auch nicht die von
Dorothy Parker und
Jane Bowles und zwar aus diesem einen Grund:
Sie könnten darauf kommen, dass es all den Frauen
meistens erst schlecht ging, nachdem sie den "Mann fürs Leben" gefunden
hatten. 
Text: Luisa Francia
Einen Mann oder eine Frau "fürs Leben" gibt es in matriarchalen
Gesellschaften nicht, weil die Menschen selbstbestimmt sind. D.h. sie
leben ihre aktuelle und persönliche Wahrheit im Hier und Jetzt.
Dazu gehört, sich neuen Gegebenheiten anzupassen. Wir werden durch viele
innere und äußere Impulse beeinflusst - wenn eine Liebe sich ändert,
dann wäre es eine Strafe als Paar zusammenbleiben zu müssen. Oft ist
es nötig Platz für Neues zu schaffen, auch für neue Beziehungen. Dadurch
entstehen Fortschritt und Entwicklung. |