Wie präsentieren sich Frauen? Wie verschaffen sie sich Respekt und Anerkennung? Tun sie das überhaupt? Inwiefern tragen Frauen zu schlechter Behandlung und  benachteiligten Situationen selber bei?

Körpersprache

Das Leben ist zum Fürchten

Signal: Angst

Können Sie sich erinnern, dass Sie einmal einen ganz gewaltigen Schreck bekommen haben? Ein kurzer Aufschrei (mit eingeatmeter Luft!), die Schultern zu den Ohren gerissen, den Körper nach innen gekrümmt und die Arme vor die Brust geschnellt - das war ein einziger Reflex.

Wenn es gleich darauf keinen Anlass gab, fluchtartig das Weite zu suchen, wird Ihr Herz noch eine Zeitlang heftig geschlagen haben. Ohne körperlich gefordert zu sein, stand der Kreislauf unter Hochleistungsstress.

In unserer Zivilisation erleben wir äußerst selten eine starke Schrecksituation, die uns um Leib und Leben bangen lassen muss.
Diese dramatischen Maßnahmen des Körpers, sich vor Verletzungen zu schützen, funktionieren aber wie in alten Zeiten.

Ganz unverständlich mutet es nun an, wenn ohne ersichtlichen Grund einzelne Angstsignale am Körper ersichtlich sind, womöglich am eigenen oder am Körper eines Gesprächspartners.

Auch hier wollen wir den Blick durch unseren Katalog wandern lassen, ob nicht einige Beispiele zu finden sind.
In der Damenabteilung werden wir fündig.

Die hochgezogene Schulter

(oder: der eingezogene Kopf)

Ursprünglich ist der eingezogene Kopf als ein Schutz für den von hinten bedrohten Nacken und den Hals als engste Stelle des menschlichen Körpers zu verstehen.

Fleischfressende wilde Tiere springen bekanntlich ihrem Opfer an den Hals. Eine Abwehr der zahlreichen 'Nackenschläge' des Lebens soll wohl mit dieser Haltung auch erreicht werden.

Jedenfalls deutet die chronisch hochgezogene Schulter auf eine negative Erwartungshaltung hin. Chronische Muskelanspannung ergibt bald eine schmerzhafte Verspannung.

So viel zum Grundsätzlichen.
In der Praxis ergibt sich ein viel komplizierteres Bild, das zu analysieren sich allerdings lohnt.

Manche "Angstschulter" ist gar keine!

Die modische Damenoberbekleidung baut sie in die Oberteile ein. Es gibt Schulterpolster, die so groß und rundlich sind, dass sie allein schon Panik signalisierten, würden wir sie ernst nehmen. Aber: nicht zu verwechseln mit den überschnittenen Schultern, die nur verbreiternd wirken.

"Angstschultern", die wir sehen, sind Posen.
Beim Katalog-Fotografen wird posiert (frz.: hinstellen).

Die Pose ist eine (auf eine bestimmte Wirkung abzielende) Haltung oder Stellung. Sie kann den Eindruck des Gewollten machen.

Die wirklich verspannte Nacken-/Schulterpartie ist schwer zu erkennen, oft nur im Zusammenhang mit Bewegungen der Arme und des Kopfes.
Die Pose jedoch zeigt sich an der Übertreibung.

Aus welchem Grund sollte eine Person angstvoll hochgezogene Schultern als Pose darstellen wollen?

Schauen wir noch einmal genau hin:

Das Angstsignal wird meist zusammen mit Signalen von

  • Selbstsicherheit und/oder Dominanzgebaren gezeigt!
  • Es wird dabei gelacht/gelächelt (Selbstsicherheit)
  • Ellbogen nehmen viel Raum ein (Dominanz und Selbstsicherheit)
  • Die Faust ist sichtbar (Dominanz)
  • Hand/Hände in der Hosentasche (Selbstsicherheit)
  • Der Hals ist betont gestreckt, also freigelegt oder dargeboten (Selbstsicherheit)
  • Auf Abbildungen mit der "Angstpose" gibt es nur Frauen allein zu sehen!

Haben sie nun Angst oder haben sie keine?

Die Models haben natürlich keine Angst. Sie posieren.
Was soll die Pose denn aussagen?

Da gibt es verschiedene Deutungen. Wenn kein konkreter Anlass ersichtlich ist, ist Furcht ein irrationales Gefühl. Das übertriebene öffentlich machen eines solchen Gefühls ist kindliches Verhalten.

Wenn erwachsene Models die Schultern hochziehen, imitieren sie die noch nicht ausgebildete Selbstkontrolle des Kindes.

Lachen sie dazu, demonstrieren sie LUST an der ANGST, wie sie auf dem Rummel beim Karussell- oder Geisterbahnfahren provoziert wird.
Wenn in Kind gekitzelt wird, ausgeliefert der körperlichen Überlegenheit von Erwachsenen, ist ihr oder sein Lachen häufig eine ebensolche Mischung. Insgesamt erkennen wir also ein auffallendes Kindchenverhalten.

Bei gleichzeitig gesendeten Dominanzsignalen, also raumgreifenden und betont angstfreien Haltungen, ist der Widerspruch besonders verwirrend.

Reine Dominanz-Haltung gibt es bei weiblichen Abbildungen nie zu sehen!

An dieser Stelle müssen wir eine wichtige Unterscheidung festhalten:

Solange wir über Körperhaltungen nachdachten, die aus dem eigenen Gefühl von Selbstsicherheit oder Ohnmacht entstehen, ging es noch nicht um POSEN.

Jeder Körper verhält sich, auch wenn er unbeobachtet ist, nach einem eigenen Muster von Selbstwertgefühlen.

  • Jetzt kommt hier erstmals die Interaktion dazu.

Wenn posiert wird, braucht es ZUSCHAUER!

Das weibliche Werbungsverhalten.

Es gibt schon eine stattliche Anzahl von Büchern über Körpersprache. Die meisten sind - es ist fast müßig zu erwähnen - von patriarchalen Männern für ebensolche geschrieben. Daher ist Körpersprache immer männlich zu verstehen, bis auf dieses eine Kapitel, das nicht fehlen darf, über die Frau als Sexual-Wesen.

Und traditionell stellt der Mann die Norm, das Weibliche ist das andere Geschlecht, das außer-normale.

Auch wir wollen, im Spiegel der männlichen Werbefotografie, unser Verhalten im Umgang mit männlichen Wesen kritisch betrachten.

Ängstlich aussehen kann die Frau oder der Mann auch, wenn sie oder er allein ist.
Derselbe Ausdruck, als Antwort oder während einer Kommunikation gesendet, funktioniert plötzlich als Beschwichtigungsgeste oder als Unterwerfungsritual!

Wenn aber gar nicht agiert, sondern nur (für die Katalogfotos) posiert wird?

Alle, die grundsätzlich den Konflikt mit Mächtigeren fürchten müssen, die sich Feindschaft nicht leisten können, werden sich eine körperliche Grundhaltung angewöhnen, die da sagt:

Ich bin schwach und ganz ungefährlich. Ich kann dir gar nichts tun. Ich bin lieb, lustig und vor allem – ich bin ein Weibchen! Du hast also keinen Rivalen vor dir.

Dahinter steht eine bewusst oder unbewusst verinnerlichte Verhaltensweise, die jede Konfrontation mit Stärkeren vermeiden soll.

Eine Reduktion auf die Weibchen-Rolle, die sich in ständigem Werbungsgebaren zeigt, hat das ursprüngliche Bewusstsein von der eigenen Identität verdrängt.

Die Mischung von Dominanz-Signalen und Werbungsgebaren oder Unterwerfungsgesten an ein und demselben Körper wird in der Fachliteratur als Anbietpose bezeichnet. Wir finden hier die typische "femme fatale", die Domina, usw.

Auf der anderen Seite aber auch den Typ der "Kindfrau", der Sex- mit Kindchen-Signalen mixt.

Eine etwas hilflos wirkende Mischung versuchen die Models, die den Typ der braven, biederen Hausfrau darstellen sollen:

Sparsam und schlicht - aber dennoch irgendwie weiblich-reizend - "Verführung in der Kittelschürze"!!

 

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